82. Etappe Barcelonnette – Valdeblore

Da der kürzeste Weg Richtung Süden, der Col de Restefond wegen Schnee immer noch gesperrt war, wollte ich versuchen, etwas westlicher über den Col de la Cayolle per Autostopp durch den Parc National de Mercantour zu kommen.
Ein Spaziergang von 2 Kilometern führte mich aus Barcelonnette hinaus bis zur Abzweigung. Hier überlegte ich noch kurz, ob ich die Route über den Col D’Allos nicht vorziehen sollte, da diese Strasse etwas breiter war. Aber ich entschied mich dann doch für den Col de la Cayolle.
Nach weiteren 3 Kilometern zu Fuß nahm mich dann endlich ein Bauer die 8 Kilometer in den nächsten Weiler mit. – Aber dann lief ich die nächsten 12 Kilometer der Strasse entlang. Zum Pass waren es aber immer noch 10 Kilometer und in den nächsten Ort 30. Ich hatte mir schon drei Uhr als Frist gesetzt. Ab dann würde ich versuchen jedes Auto anzuhalten, egal in welche Richtung es fährt und zur Not auch nach Barcelonnette zurück (es kamen mir nämlich deutlich mehr Autos entgegen, als in meine Richtung fuhren). Kurz vor dem letzten Weiler hielt dann doch ein Lieferwagen mit einer jungen Familie. Sie nahmen mich den Kilometer nach Bayasse mit und ich fragte den Fahrer, ob er nicht jemanden wüsste, der mich für Geld über den Pass fahren würde. Er sagte, er würde fragen ich sollte am Eingang des Weilers warten…. 5 Minuten später kam er mit einem kleinen Renault zurück und fuhr mich für 30 € in den nächsten Ort. – Ich war super glücklich und vor allem sehr erleichtert, da ich mir schon vorgestellt hatte, doch noch meinen Biwacksack auspacken zu müssen….
Ab Entraunes wechselten sich für die nächsten 20 Kilometer wandern und Mitfahrgelegenheiten ab, bis mich kurz vor Guillaumes Yves, ein Trailrunner einsteigen ließ. Er fuhr nach Nizza, nahm aber wegen mir einen Umweg über noch einen kleineren Pass in Kauf und fuhr mich nach St. Sauveur-sur-Tinee, den nächsten Etappenort der Via Alpina. Dort waren aber die Übernachtungsmöglichkeiten entweder voll oder geschlossen und so suchte ich mir über booking.com das nächstgelegene Hotel in Valdeblore und stoppte jetzt problemlos auf 2 Etappen.
Der heutige Tag war ein Wechselbad zwischen Hoffen und Bangen. Aber vielleicht soll die Via Alpina mich genau das lehren: Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen….zumindest im Privatleben….
Morgen geht es dann zu Fuß nach St. Martin Vesubie und weiter per Autostopp zum Col de Turini. Dort habe ich schon ein Hotel gebucht und gehe ich zu Fuß die letzten 3 Etappen nach Monaco, wo ich mich mit Michel am Mittwoch treffe!

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Links!

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Lange der Strasse entlang….

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Endlich über dem Pass

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An diesem Fluss hab ich Michel kennen gelernt!

81. Etappe Guillestre – Barcelonnette

Jetzt habe ich aber lange überlegt, ob ich den heutigen Tag als Etappe bezeichnen kann…- Gelaufen bin ich nur ungefähr 10 Kilometer…
Ich hatte geplant, von Guillestre aus einige Etappen wegen mangelnder Unterkunftsmöglichkeiten per Autostopp abkürzen und dann wieder auf der Via Alpina einsteigen. – Durch den Schnee gestern ist aber sogar die Strasse über den Pass gesperrt und so sitze ich jetzt in Barcelonnette (viel weit westlicher als geplant) in einem Hotel und versuche morgen über einen tiefer gelegenen Pass wieder (per Autostopp) auf meine Route zu kommen…
Von Gero kam ein SMS: Er ist morgen in Monaco und wirklich ALLES gelaufen!!!!!!!

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Jetzt weiß ich, wo die herkommen

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Dort oben bin ich vorgestern entlanggelaufen

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Markt in Barcelonnette

80. Etappe Valloise – Fressinieres – Guillestre

Der Regen hat mich heute zum Glück nicht erwischt und die seit langem gefürchtete Begegnung mit einem Herdenschutzhund habe ich jetzt auch hinter mir. Zum Glück war der Hirte in der Nähe und winkte mich vorbei! Der Hund kam trotzdem bellend auf mich zu, beschnupperte mich dann aber schwanzwedelnd. Ich war sehr erleichtert, denn die Viecher sind riesig! Seine Schnauze war auf der Höhe meines Ellenbogens. Sehr beeindruckend! Der nächsten Schafherde wich ich dann aber durch einen wilden Abstieg über steile Grashänge vorsichtshalber aus…
Allerdings habe ich im eigentlichen Etappenziel keine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Den Beschreibungen der Via Alpina Etappen ist in den letzten Tagen immer weniger zu trauen….
Vor drei Tagen war die Etappe in Kilometern um 50% (!) länger als angegeben, vorgestern ein Abstieg von 1000 Höhenmetern mit 35 Minuten angegeben, gestern waren es nicht 19 sondern 24 Kilometer und heute war ich vom Col de Pousterle schon in 3 1/2 Stunden in Freissenieres (und nicht wie angegeben in 5, – wobei das war eher angenehm…). In Freissenieres hätte auch eine Pension bis November offen haben sollen… Alberto hatte für mich in der Früh angerufen und niemanden erreicht. Also bin ich mal auf gut Glück losgegangen, hatte aber schon im Hinterkopf, eventuell bis zum nächsten Etappenziel Guillestre weiterzumüssen. Bei der Auberge war kein Mensch und so lief ich die Strasse zwei Kilometer weiter, bis mich ein Auto mitnahm. Während dem Laufen hatte ich mir per Handy ein **Hotel in Guillestre herausgesucht und eine Stunde später war ich schon dort. Zu meiner Überraschung hat es sogar ein Schwimmbad und einen Hammam, den ich ausgiebig genoss.

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Runter und wieder rauf. Rückblick auf den Col de Pousterle

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Die Schilder hatte ich schon öfter gesehen…

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Da hinten steht die Front

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Keiner da und abgeschlossen :-(((

 

79. Etappe Le Monetier-Les-Bains – Valloise

Endlich ein goldener Herbsttag!
Als ich um 7 Uhr aufwachte, war es nach stockdunkel und regennass…. Also genoss ich erst einmal ein opulentes Frühstück und siehe da, die Nebeldecke riss auf. Als um 9 Uhr mein Rucksack gepackt war, hatten sich die Wolken komplett aufgelöst! Meine gestrigen Befürchtungen, dass der ganze Aufstieg zum Col de’lEychauda entlang der Schipiste führt, bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Der Weg führte teils recht steil durch einen schönen, herbstlich gefärbten Wald bis auf fast 2100 Meter. Erst die letzten 300 Höhenmeter zum Pass ging es dann auf der Piste. Auch der lange Abstieg begann recht fussschonend. Auf einem mit angenehmen Gefälle angelegten Wanderweg durch Grashänge konnte ich die ersten 600 Höhenmeter zurücklegen. Dann kam aber wieder meine ‚geliebte‘ Asphaltstraße. Ein paar Kehren konnte ich noch auf Wanderwegen abkürzen, aber die letzten 8 Kilometer nach Valloise waren gemäss Beschreibung durchgehend Asphalt! Zum Glück ergab sich auf den letzten 4 Kilometern eine (die einzige) Mitfahrgelegenheit…
In Valloise habe ich mich noch in einer Superette mit Proviant für morgen eingedeckt. In der Zwischenzeit bin ich zu „richtiger“ Jause gewechselt, da mir die Müesliriegel zu den Ohren heraushängen. Nochmal 2 Kilometer Strasse und ich war bei meinem „Hotel“. Alberto, ein Italiener, hat sein Haus nach seiner Scheidung in eine Gite umfunktioniert. So gab es – neben einer Badewanne – ein wunderbares italienisches Abendessen!
Gemäß Gero steht morgen eine Monsteretappe mit gut 9 Stunden an. Da auch eine Kaltfront für den späten Nachmittag angesagt ist, hat sich Alberto netterweise bereiterklärt, mich in der Früh auf den Col de la Pousterle zu fahren. Damit erspare ich mir mehr als 2 Stunden Strasse und sollte dann vor der Front (fast) am Ziel in Freissinieres sein.

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Frühstück

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1. Rast

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Die Errungenschaften des Tourismus

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Rückblick auf den schönen Teil des Abstiegs

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Die Vegetation ändert sich…

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Spaghetti a la Alberto

78. Etappe Nevache – Le Monetier-les-Bains

Endlich wieder ein Tag ohne Regen! Allerdings waren es nicht, wie in der Routenbeschreibung angegeben 12, sondern 18 Kilometer. Es ist wirklich schön wie Landschaften und Touren, die ich bisher nur von Landkarten und Beschreibungen „kannte“, plötzlich ein Gesicht bekommen. Allerdings konnte ich auch den morgigen Aufstieg entlang der Schipisten schon heute begutachten. Das einzig Ungewöhnliche heute war eine Gruppe Schweizer Motocrossfahrer, die mir unterhalb vom Col Buffere auf dem Wanderweg entgegen kamen…
Monetier-les-Bains ist ein kleines mittelalterliches Städtchen und ich habe mich offenbar in das Traditionshotel eingemietet. – Ein schwarzbefrackter Ober serviert mir (als einzigem Gast) das 5-Gang-Menü bei klassischer Hintergrundmusik.

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Ein Stück weit ging es unten im Tal dem Bach entlang

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Les Monetier-Les-Bains

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Das Hotelrestaurant

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Das Menü