Der Bus, welcher mich nach Tignes, dem Startpunkt der Etappe brachte, kam erst mit halbstündiger Verspätung. Dafür durfte ich zuerst nach Val d’Isere mitfahren, da der 2. (!) Fahrgast dorthin musste. – Jetzt weiß ich auch wie es dort aussieht 😉
Allerdings konnte ich so erst um halb eins aufbrechen. Zuerst folgte ich eine gute halbe Stunde einem Sessellift und ließ die Bettenburgen von Val Claret schnell hinter mir. Ab dem Col de Fresses war ich dann wieder in der Einsamkeit (wenn man die Liftanlagen auf dem Gletscher außer acht lässt…). Auf dem Weg zum Col de la Leisse konnte ich noch mal zurück zum Mont Blanc sehen, dessen Gipfel aber hinter Wolken verborgen war. Es ging durch unterschiedlich farbiges Gestein und immer wieder dachte ich, jetzt sei ich am Col, aber dann kam noch eine Kuppe und noch ein Hügelchen und der Weg schlängelte sich fast ohne Höhengewinn hoch. Irgendwann war ich doch oben und hatte eine schöne Sicht auf die Gletscher der Vanoise. Wieder ging es lange und fast ohne Höhenverlust, an einem See und einem Seerest vorbei, das Tal hinaus. Als ich kurz vor 16 Uhr beim Refuge de la Leisse ankam, beschloss ich gleich hier zu übernachten, da die nächste Hütte noch drei Stunden entfernt war. Das Refuge besteht aus drei Hütten: einer für die Hüttenwirte, die abgeschlossen war, einem Lager für 32 Personen und einer Aufenthaltshütte, welche beide offen waren. Nachdem ich mich einrichtet hatte, setzte ich mich noch etwas in die Sonne. Plötzlich flog ein großer Schatten über mich hinweg. Ich blickte hoch und sah einen Bartgeier!
Die Sonne verschwand leider bald hinter den von Westen heranziehenden Wolken. Ich wärmte mir noch Dosenravioli und legte mich schon um 7 Uhr zum Lesen in den Schlafsack, da es dort am wärmsten war.

Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt




