75. Etappe Refuge de la Leisse – Termignon – Modane

In der Nacht hatten mich zwar etliche Gewitter aus dem Schlaf geschreckt, aber ich hatte in anderen (überfüllten) Hütten schon schlechter geschlafen.
Um 8 Uhr war ich abmarschbereit, verschob den Aufbruch aber noch fast um eine Stunde, um die nächste Regenpause abzuwarten. Durch das einsame Leisse-Tal begleitete mich Nieselregen bis zum Refuge d’Entre Deux Eaux. Dort machten zwei Frauen die Hütte gerade winterfest, waren aber so nett, mir einen Tee zu verkaufen. Kurz nach der Hütte kam dann die Sonne heraus und ich konnte den einstündigen Aufstieg zum Refuge du Plan du Lac im Trockenen zurücklegen. Dieses wäre die zweite Übernachtungsmöglichkeit gewesen und ist wirklich schön. Kurz danach tauchte ich beim Abstieg in dichten Nebel und wieder Nieselregen ein. In weiten Kehren führte ein schöner Wanderweg hinunter nach Termignon. Von den letzten 4 Kilometern Strasse nahm mich ein Bauer 2 Kilometer mit. – Immerhin….
Von Termignon stoppte ich bis Modane, wo ich ein Hotel reserviert hatte. Jetzt freu ich mich auf eine heiße Dusche und ein hoffentlich gutes Abendessen…

20131005-185843.jpg
„Schwalbennest“ Refuge de la Leisse

20131005-185933.jpg
Refuge Plan du Lac

20131005-190011.jpg
„Aussicht“

20131005-190029.jpg
In Termignon scheint die Sonne

74. Etappe Tignes – Refuge de la Leisse

Der Bus, welcher mich nach Tignes, dem Startpunkt der Etappe brachte, kam erst mit halbstündiger Verspätung. Dafür durfte ich zuerst nach Val d’Isere mitfahren, da der 2. (!) Fahrgast dorthin musste. – Jetzt weiß ich auch wie es dort aussieht 😉
Allerdings konnte ich so erst um halb eins aufbrechen. Zuerst folgte ich eine gute halbe Stunde einem Sessellift und ließ die Bettenburgen von Val Claret schnell hinter mir. Ab dem Col de Fresses war ich dann wieder in der Einsamkeit (wenn man die Liftanlagen auf dem Gletscher außer acht lässt…). Auf dem Weg zum Col de la Leisse konnte ich noch mal zurück zum Mont Blanc sehen, dessen Gipfel aber hinter Wolken verborgen war. Es ging durch unterschiedlich farbiges Gestein und immer wieder dachte ich, jetzt sei ich am Col, aber dann kam noch eine Kuppe und noch ein Hügelchen und der Weg schlängelte sich fast ohne Höhengewinn hoch. Irgendwann war ich doch oben und hatte eine schöne Sicht auf die Gletscher der Vanoise. Wieder ging es lange und fast ohne Höhenverlust, an einem See und einem Seerest vorbei, das Tal hinaus. Als ich kurz vor 16 Uhr beim Refuge de la Leisse ankam, beschloss ich gleich hier zu übernachten, da die nächste Hütte noch drei Stunden entfernt war. Das Refuge besteht aus drei Hütten: einer für die Hüttenwirte, die abgeschlossen war, einem Lager für 32 Personen und einer Aufenthaltshütte, welche beide offen waren. Nachdem ich mich einrichtet hatte, setzte ich mich noch etwas in die Sonne. Plötzlich flog ein großer Schatten über mich hinweg. Ich blickte hoch und sah einen Bartgeier!
Die Sonne verschwand leider bald hinter den von Westen heranziehenden Wolken. Ich wärmte mir noch Dosenravioli und legte mich schon um 7 Uhr zum Lesen in den Schlafsack, da es dort am wärmsten war.

20131005-185522.jpg
Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt

20131005-185555.jpg
Rückblick zum Mont Blanc

20131005-185644.jpg
1. See + Glaciers du Vanoise

20131005-185708.jpg
Der Bartgeier

20131005-185752.jpg
Frühstück

73. Etappe Valgrisenche – Le Monal (Sainte Foy Tarentaise)

Da ich heute wegen einer komplett geschlossenen Hütte 2 Etappen zusammenlegen musste, brach ich schon um 8 Uhr (nach einem für Italien außerordentlich guten Frühstück) auf. Zuerst standen fast 10 Kilometer Strasse bis zur letzten Alm vor dem Col du Mont auf dem Programm. Im Nebel machte ich mich auf den Weg und konnte anfangs noch einige Strassenkehren auf einem Wanderweg abkürzen. Nach 4 Kilometern und wieder auf der Asphaltstraße, hörte ich von hinten ein Auto kommen. Ich hatte gestern schon beschlossen, auf Strassen jede Mitfahrgelegenheit zu nutzen. Also Daumen raus! – Ich staunte nicht schlecht als meine Pensionswirtin auf dem Weg zum Beerensammeln neben mir hielt und mich bis zur letzten Alm fuhr. Damit hat sie mir 1 1/2 Stunden erspart!
Nach einem windstillen Aufstieg in dichtem Nebel fing es oben am Pass zu blasen an. Je tiefer ich kam, desto stärker wurde der Wind bis er fast Sturmstärke erreichte. Dafür kam ich 300 Meter unter dem Col aus der Wolke und hatte eine schöne Fernsicht in die Tarentaise. Bald fing aber wieder die Strasse an und ich entdeckte, dass es neben dem Vorsatz Mitfahrgelegenheiten zu nutzen – auch Mitfahrgelegenheiten braucht….Erst auf den letzten 3 Kilometern nahmen mich französische Kletterer mit. Da sie schon zu fünft im Wagen waren, verfrachteten sie einen der ihren kurzerhand auf die hinten am Auto angebrachte Leiter. Obwohl sich der Fahrer alle Mühe gab, ihn in den Kurven abzuschütteln, bewies der junge Mann gutes Reaktions- und Standvermögen.
Morgen werde ich zum ersten Mal in einem Winterraum einer Hütte schlafen. Dank Gero weiß ich, dass er offen ist und es Feuerholz gibt.

20131003-220623.jpg
Signora Andreina

20131003-221543.jpg
Im Nebel

20131003-221838.jpg
Rückblick zum „Wolkenpass“

20131003-222108.jpg
…und noch ein langes Tal…

 

72. Etappe Saint Leonard – Cerellaz – Valgrisenche

Bei wunderbarem Wetter stieg ich mit dem kurzärmligen Shirt 1000 Höhenmeter zum Col Citrin auf. Der lange Abstieg nach Cerellaz führte durch ein einsames Hochtal. Außer einem Mountainbiker ist mir den ganzen Tag kein Mensch begegnet.
Als ich nach fast 7 Stunden Cerellaz erreichte, folgte die Enttäuschung. Das einzige Hotel hat Ruhetag (darum hatte ich auch heute früh niemanden erreicht…). Also beschloss ich, die nächste Etappe zu überspringen und zu versuchen per Autostopp nach Valgrisenche zu kommen. Das hat auch den Vorteil, dass ich morgen den 2600 Meter hohen Col du Mont bei gutem Wetter überschreiten kann. – Für Freitag und Samstag ist die nächste Front angesagt.
Nach 3 Kilometern Strassenmarsch dachte ich schon, dass mich mein Autostoppglück verlassen hätte. Doch dann hielt das 2. Auto. Die Fahrerin musste nicht nur direkt nach Valgrisenche, sondern hat dort sogar ein Bed&Breakfast!! :-)))))

20131002-194243.jpg
Blick vom Col Citrin nach Süden

20131002-194351.jpg
Das Aostatal

20131002-194447.jpg
Cerellaz

20131002-194908.jpg
Minestrone satt…..

71. Etappe Großer St. Bernhard – Saint Leonhard

Nach der langen Zugfahrt nach Orsieres stand ich um 14 Uhr wieder an der schon bekannten Stelle der Passstrasse und versuchte per Autostopp auf den Pass zu kommen. Das klappte auch in 2 Etappen mit nur kurzen Wartezeiten (10 und 2 Minuten). Der zweite Fahrer ließ es sich nicht nehmen, mich am Pass auf einen Kaffee einzuladen.
Um 15 Uhr machte ich mich dann an den 2-stündigen Abstieg nach Saint Rhemy des Bosses. Beim Ortseingang stellte mich ein Hund bellend und mit gefletschten Zähnen. Zum Glück rief ihn seine Besitzerin gleich zurück. Sie erklärte mir, dass im Ort im Winter ( sie meinte jetzt…) nur 2 Personen leben und der Hund daher das ganze Dorf als sein Wohnzimmer betrachtet. – Wie in Baselgia! Das Hotel sei natürlich auch geschlossen, sie rief aber im nächsten offenen Hotel an und reservierte für mich. – Sehr nett!

20131002-084659.jpg
Back on track

20131002-084750.jpg
Herbst

20131002-084847.jpg
Einwohner im Winter: 2 (+2 Hunde)